Minnas Buch - eine Zeitgeschichte

von Regina Störk

Rezensionen

Interessantes Buch

Klapptext:
Wilhelmine wächst als behütete Tochter auf einem Gutshof in Ostpreußen auf und soll endlich heiraten, damit sie den Hof übernehmen kann. Stattdessen wird sie schwanger und das natürlich völlig unpassend. Man findet einen Ehemann, der das Gut verwalten kann. Doch die Ehe hält nur bis zum Beginn des Dritten Reichs, Hitlers Machtübernahme. Wilhelmine schmeißt von da ab den großen Gutshof mit Hilfe ihrer polnischen Landarbeiter und Hausmädchen – der „Instleute“ – alleine.
Feste werden gefeiert, wie sie fallen und letztendlich ist es wie immer: Es wird gelebt, geliebt, gelitten und gelacht.

Ich hatte große Erwartungen an dieses Buch und wurde nicht enttäuscht.Ich bin mit Minna auf eine sehr interessante Zeitreise gegangen.Minna ist eine Schildkröte und erzählt uns den Lebensweg von Wilhelmine mit all seinen Höhen und Tiefen.Ich habe mit erlebt wie schwer die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen in Ostpreußen war.Fasziniert haben mich immer wieder unterschiedlichen Perspektivwechsel von Wilhelmine und Minna.Ich habe mit erlebt was es bedeutet in dieser Zeit eine Frau zu sein .Auch als Gutsfrau war das Leben nicht so enfach. Mich hat Wilhelmine sehr beeindruckt und ich habe sie bewundert.Sie hat sehr viel Leid und Schmerz erfahren.Aber sie hat nie aufgegeben und hat gekämpft.Durch die guten Recherchen der Autorin habe ich auch viel Wissenswertes und neue Informationen über die damalige Zeit in Ostpreußen erhalten.Diese war geprägt vom Nationalsozialismus und vor allem auch von Ängsten,Hunger,Erschiessungen und Existenzängsten.Ich habe alles mit sehr großem Interesse verfolgt.Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen.Er war sehr leicht und flüssig.Auch die Protagonisten wurden sehr gut beschrieben und ich konnte sie mir klar und deutlich vorstellen.Besonders Minna die Schildkröte habe ich in mein Herz geschlossen.Durch die sehr ansprechende und beeindruckende Erzählweise wurde ich förmlich in die Geschichte hinein gezogen.Selten hat mich so ein Buch begeistert wie dieses.Mir hat die Geschichte von Wilhelmine sehr gut gefallen und sie hat mich auch zum Nachdenken angeregt.Besonders gut fand ich die Idee eine Schildkröte als Erzählerin einzusetzen.Ich hatte wundervolle Lesemomente mit dieser Lektüre und vergebe 5 Sterne

Vampir989

Blick zurück in eine Zeit, in der das Leben noch nicht so hektisch und oberflächlich war. Absolut lesenswert, mit viel Herzblut und Engagement geschrieben.

(Leserrezension auf Amazon)

Zeitgeschichte aus der Sicht einer Schildkröte

Wir schreiben das Jahr 1922. Es ist die wahre Geschichte von Wilhelmine, die als behütete Tochter auf einem Gutshof in Ostpreußen aufwächst und endlich heiraten soll , damit sie den elterlichen Hof übernehmen kann. Doch Wilhelmine verliebt sich völlig unstandesgemäß in Juri, einen polnischen Soldaten, und wird natürlich schwanger. Zuerst in völliger Verzweiflung, die Eltern haben kein Verständnis für ihre Tochter. Nur in der kleinen Sumpfschildkröte Minna findet sie eine geduldige Zuhörerin. Das kleine Tierchen wird ihre Vertraute und wir lesen in der Geschichte auch immer wieder mal die Sicht von Minna, herrlich schildkrötisch pragmatisch.
Für Wilhelmine wird ein Mann gefunden , der sie schließlich auch mit kleiner Tochter heiratet. Dass das nur ein Geschäft war und die Ehe nicht wirklich auf wahrer Liebe basiert, findet Wilhelmine mit der Zeit heraus , arrangiert sich jedoch mit ihrem Ehemann Gustav und bekommt noch drei Töchter von ihm. Die jüngste, Erika, auch gerne Eka genannt, ist die Großmutter der Autorin.
Gustav verändert sich mit der Zeit , was vor allem mit Hitlers Machtübernahme zusammenhängt und was dann in diesem Dritten Reich vonstatten ging. Die heile und auch schillernde Welt Ostpreußens bröckelte zunehmends und zerbrach mit Ende des zweiten Weltkrieges völlig.
Bis dahin schmeißt Wilhelmine den großen Gutshof mit Hilfe ihrer polnischen Landarbeiter und Hausmädchen – genannt „Instleute“ – alleine. Die Feste auf dem Land und der Jahreszeiten werden gefeiert, wie sie fallen und letztendlich ist es wie immer.
Es wird gelebt, geliebt, gelitten und gelacht.
Minna , die Schildkröte, erlebt das alles mit , zumindest vom Frühjahr bis Herbst, im Winter begibt sie sich in die Winterruhe und der Leser bekommt einen Einblick in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, den herrschenden Klassenunterschieden auf dem Land, den Beginn des Nationalsozialismus, den immer stärker werdenden Rassismus und schließlich des Krieges, der für Wilhelmine ein tragisches Ende bereithält.
Minna ist die Schildkröte in Wilhelmines Leben und auch in dem Leben der Gegenwartsfamilie, in die der Leser immer wieder Einblick bekommt, der allerdings etwas abrupt verläuft, gerade wenn man gerade in dem beschaulichen Landleben gefesselt ist.
Minna versteht natürlich einiges ganz anders, als die Menschen das meinen und sieht die Dinge aus ihrer ganz eigenen Perspektive, wie schon gesagt , wunderbar schildkrötisch und pragmatisch, was auch etwas tröstliches an sich hat.
Bei den Ausflügen in die Gegenwartsfamilie sitzen Josefine und Tom am Küchentisch und stellen fest, dass das heutige politische Zeitgeschehen gar nicht so anders ist wie damals und die Parallelen sind teilweise erschreckend. Auch sie haben eine Minna, die jedoch in ihrem Terrarium wohnt und sich ebenfalls ihre Gedanken über ihre Menschenfamilie macht.
Mich hat die Geschichte von Wilhelmine sehr bewegt und ich habe bis zum Schluss gehofft, dass sie es mit ihren Töchtern gemeinsam schafft zu flüchten. Das hat mich wirklich traurig gemacht, da ihre Geschichte für viele Menschen im damaligen Ostpreußen zutrifft und die es geschafft haben, bis heute an den Folgen der Flucht leiden.
Die abrupten Übergänge zu den verschiedenen Zeiten und von Mensch zu Schildkröte haben das Lesevergnügen etwas geschmälert, ich war dennoch gefesselt von Minnas Geschichte.
Es ist nicht nur für Schildkrötenliebhaber geeignet.

Hopeandlive

Liebe Regina,

vielen Dank für Dein Buch, ich hab’s gleich gelesen und bin bis zum Ende mit Aufmerksamkeit und Interesse dran geblieben. Obwohl ich die Fakten ja schon aus Deinem Tagebuch-Transkript kannte, war immer die Neugier da, zu sehen, wie Du die Geschichte weiter entwickeln wirst, welche Wege sie gehen wird.

Besonders gut hat mir die Minna gefallen, die so ein wenig wie das eigene Unbewußte ist – sie sieht, hört und versteht und weiß ja meist schon, wie alles weitergehen wird – aber sie kann nichts sagen und damit kann sie auch nicht eingreifen. Sie ist da, um alles aufzunehmen und zu lagern, was man so an Lebensgeschichten hat. Und das Vorwort hat mir auch gefallen: Du hast deutlich gemacht, dass es unterschiedliche „Narrative“ gibt, keines ist das gültige, jedes hat ein Recht, gehört zu werden. Und alle zusammen ergeben dann einen Eindruck von dem, was wohl gewesen ist.

Dann bin ich Dir noch regelrecht dankbar, dass Du gute, nicht sensationsheischende Worte gefunden hast für die Schrecklichkeiten, die Deiner Großmutter und Deinen Tanten, auch Deiner Mutter geschehen sind.
Das alles ist so außerhalb von dem, was man begreifen kann und die Art, wie Du es formuliert hast, hat mir die Möglichkeit gelassen, soviel davon aufzunehmen, wie ich ertragen kann, und dabei zu wissen, dass die Frauen Unerträgliches erlitten haben.

Die 2016-Texte sind ganz anders. Ich verstehe, dass Du damit einen deutlichen Appell aussprichst an alle, die Dein Buch lesen, dass sie sich doch um Gottes und der Menschen Willen nicht mehr in solch einen Krieg hineinziehen lassen sollen – ein großes Plädoyer für ein gutes Miteinander und für freundlichen, offenen Umgang. Richtig verstanden?

Liebe Grüße, einen guten Tag

E.

Dein Buch hat mir gefallen, liebe Regina, es hat mich meist gefesselt. Einfühlsam hast du die Personen und ihre Irrungen und Wirrungen sowie ihr teilweise schweres Schicksal erzählt. Gut fand ich, dass du mehrfach einen Bezug zur heutigen Zeit hergestellt hast

A.

Zeitgeschichte die fesselt, jedoch in der Umsetzung holprig ist

Ostpreußen in den 1920er: Wilhelmine wächst auf einem Gutshof auf und genießt das behütete Leben. Minna ist die Schildkröte des Gutshofes, zu dem Wilhelmine eine ganz besondere Beziehung hat. Als Wilhelmine völlig unpassend schwanger wird, arrangiert ihr Vater eine Vernunftehe und sie fügt sich ihrem Schicksal. Doch ihr Mann verändert sich und tritt in die NSDAP ein…

2016: Auch hier gibt es eine Minna, die das Zeitgeschehen mitverfolgt und feststellen muss, dass sie die Zeiten nicht wirklich geändert haben…

Zugegeben, es ist eine wirklich tolle Idee, eine Geschichte aus der Sicht einer Schildkröte zu schreiben. Ihre Gedanken und ihre Gefühlswelt haben dieses Buch wirklich bereichert und lassen Minna sehr weise erscheinen. Vieles ahnt sie, vieles sieht sie kommen und doch kann sie nicht eingreifen. Regina Störk gibt Minna eine Seele und so fällt es mir zuerst nicht schwer, mich auf dem Gutshof in Ostpreußen zurecht zu finden. Leider sind die Wechsel zwischen Minnas und Wilhelmines Welt nicht immer klar voneinander abgetrennt und enden so abrupt, dass ich ab und an recht irritiert bin, welchen Gedanken ich da nun folge.
Auch die Wechsel in das Jahr 2016 finde ich nicht gut gelungen und in meinen Augen sogar störend – die Geschichte findet nur ein paar wenige Seiten Gehör und macht sie uninteressant und nebensächlich.
Ansonsten fasziniert mich die Lebensgeschichte von Wilhelmine in Ostpreußen und ich vergesse manchmal Zeit und Raum, wenn ich den Schilderungen folge. Die Charaktere sind sehr schön skizziert, die zeitgeschichtliche Recherche finde ich gut umgesetzt und das Leben auf dem Gutshof wird sehr bildlich dargestellt.
Aufgrund der holprigen Umsetzung kann ich leider nur 3 Sternchen vergeben

katikatharinenhof

 

Ein sehr interessantes Buch voller Leid und Schmerz, aber auch voller voller Freude, Liebe und Leben.
Ein Buch mit vielen unterschiedlichen Gefühlen und Perspektiven. Diese machen das Buch noch spannender und wechselhaft.

Absolute Leseempfehlung.

abetterway